Vor kurzem kam mir in meine Gedanken, welche verschiedenen Facetten im Thema Jammern und Leiden stecken. Auch in meinem Leben kenne ich solche Erfahrungen sehr gut, bin ich doch mit diesen Gewohnheiten aufgewachsen und habe sie deshalb auch lange Zeit so gelebt. Die einzelnen tieferen Verstrickungen und Verkettungen zu diesem Leidensthema erkenne ich erst heute.

 

Durch Jammern wollen wir Aufmerksamkeit erreichen, denn tief in unserem inneren fühlen wir uns ungeliebt und ungeachtet. Doch lenken wir mit dieser Energie des Leidens sehr geschickt von uns selbst ab. Wir schieben die Schuld, an der Unfähigkeit unser eigenes Leben verantwortungsvoll und wahrheitsgetreu zu betrachten, anderen in die Schuhe. Auch wenn unsere Mitmenschen versuchen, uns etwas Gutes zu tun, prallt es an unserer Schulter ab, denn damit müssen wir unser Jammertal verlassen und dem anderen etwas positives zugestehen. Und paradoxerweise glaubt das Umfeld zum Teil tatsächlich Mitschuld am Leiden des „Jammerers“ zu sein. 

 

Mit der unguten Energie des Leidens manipulieren wir andere Menschen um uns herum. Wenn es uns nicht gelingt dies aufzulösen entsteht eine immer größer werdende Spirale von Unzufriedenheit, Enttäuschung, gefolgt von Neid, Eifersucht, welche sich bis hin zu Wut und Hass entwickeln kann. Da diese Personen sich selbst die Freude am Leben verwehren, kann sich zusätzlich Geiz, Missgunst und dem anderen nichts Gutes gönnen, entwickeln. 

 

Die nächste Stufe kann so aussehen: andere zu schikanieren und ständig etwas Schlechtes an ihnen zu suchen und zu finden, nur um sich selbst die eigenen Unzulänglichkeiten nicht anschauen zu müssen. Weitere Themen in diesem Zusammenhang sind für mich noch: Schadensfreude, Rache, Rücksichtslosigkeit, kommandieren, diskriminieren, andere quälen, drangsalieren, terrorisieren, selbst Hass auf die eigenen Kinder kann daraus entstehen. Wenn wir solche Energieformen über einen längeren Zeitraum beibehalten, zerstören wir damit nicht nur uns selbst, sondern auch das Leben der Menschen um uns herum. Diese resignieren oft, können die Situation mit der Zeit nicht mehr ertragen und flüchten im Extremfall.

 

In ihrem eigenen Leid gefangen, sehen solche Personen nur noch sich selbst und nehmen ihr Umfeld, deren Sorgen und Probleme nicht mehr zur Kenntnis. Das Verhalten dieses Menschen wird mit der Zeit immer egoistischer. Oft sterben solche Menschen allein, einsam und verbittert. 

 

Heute bin ich mehr als dankbar, dass ich diese Gewohnheiten und unguten Energieformen ablegen konnte. Dadurch ist für mich ein vollkommen neues Lebensgefühl entstanden. Aus meiner jetzigen Sicht ist jeder selbst der Gestalter seines Lebens und hat die Möglichkeit sich daraus zu befreien.

Aus tiefstem Herzen heraus wünsche ich jedem Menschen dieser Erde, dass es ihm gelingen möge, Leid und Schmerz, welches sich bis zur totalen Selbstaufgabe hin entwickeln kann, zum Wohle für sich selbst und sein Umfeld aufzulösen. 

23. Juni 22